Als wir vor zwei Jahren über das Erfolgskonzept der Bauern berichtet haben, die ihre Produkte in Steirer’s Hofladele anbieten, lag zwar schon das Wort „Expansion“ in der Luft, aber dass sich die Dinge in so kurzer Zeit verändern könnten, wollte zu dieser Zeit niemand ernsthaft vorhersagen. Das Ladele hat sich inzwischen zum Schlaraffenland für Feinschmecker entwickelt. 

Neben dem „Nudlkasten“ mit Spaghetti, Makkaroni, Band- oder Suppennudeln gibt es „Erdäpfel und Gmias“. Dazwischen frischen Holler-Sirup, hausgemachten „Goggeler“ (Eierlikör) und den „Echten Lukaser“. In den Geschmacksrichtungen Williams, Walnuss, Mirabelle und Quitte. Eine Etage tiefer, im offenen Regal, stehen die Obstsäfte von Martin Kuprian, dem Bauern vom Lukaserhof in Untermieming. Der aktuelle Renner – so hören wir – ist „Apfelsaft naturtrüb“.

„Begonnen haben wir mit Eiern aus Freilandhaltung“, sagt rückblickend Carolin Grabner-Hanni, die Bäuerin vom Steirerhof. „Dann haben wir aus unseren Eiern Nudeln produzieren lassen und später kam die eigene Hofschlachterei mit Masthennen dazu. Aus unserem Bauerngarten ergänzen wir das Gemüse-Angebot.“

Heute gibt es eigentlich nichts aus der Produktplalette eines breit aufgestellten Tiroler Bauernhofes, was nicht auch in Steirer’s Hofladele zu haben wäre.

Wir zählen auf, was wir um uns herum sehen: Speck und Hauswürste von Martin Alber aus Zein (er betreibt dort mit seiner Frau den Dismas Hofladen), Erdäpfel vom benachbarten Bauernhof der Familie Post, Milchprodukte vom Michelerhof der Familie Kranebitter in Fiecht, Salate und Gemüse liefert von Frühjahr bis Herbst Michael Wallnöfer vom Schmiedhof in Barwies. Den Fruchtjoghurt stellt gerade Elisabeth Sonnweber in die Kühltruhe.

Dazu kommt ein Mehr an weiteren Angeboten: Knoblauch und Schalotten von Susanne Holzknecht aus Tarrenz, dazu eingelegte Zucchini. Ideal zur Jause, steht auf den Gläsern.

Direkt beim Bauern zu kaufen, ist inzwischen längst mehr als nur ein Trend.

„Die Menschen kommen von überall her, zu uns“, erzählt Carolin Grabner, die Bäuerin vom Steirerhof. „Aus der Stadt, vom Land, Durchreisende, Gäste aus unseren Hotels und Pensionen und vor allem Stammkunden, die extra aus den Nachbarländern anreisen.“

„Die Menschen möchten heute wissen, was bei ihnen daheim auf den Tisch kommt“, ergänzt Benedikt Kranebitter. Der Junior-Chef vom Michelerhof in Fiecht, ist ein Pionier der bäuerlichen Selbstvermarkter aus Mieming und anderer Nachbargemeinden, die ihre Produkte u.a. in Steirer’s Hofladele in Obermieming anbieten. „Wir waren von Anfang an mit dabei, weil wir schon seit Jahren damit begonnen haben, unsere Milchprodukte selbst zu vermarkten.“

Damit sichert sich der Michelerhof mit anderen Milchviehbauern, die es so wie die Familie Kranebitter machen, eine relative Unabhängigkeit auf dem hart umkämpften Markt für Milchprodukte.

Zu den Lebensmitteln kamen im Laufe der Zeit auch andere handgemachte Produkte hinzu. Die Oma von Carolin Grabner aus Silz, strickt Jacken, Mützen und Pullover für Kinder. Ihre Wollsocken werden von Erwachsenen gekauft und sind zurzeit der Verkaufsschlager der Sparte „Stricksachen“.

Die Genussmanufaktur thomas‘ aus Telfs liefert beliebte Kaffeesorten wie „Liesl’s Liabster“,“Hoamat Blend“, „Bauernstolz“ oder einen „Landler“. Inzwischen kommt nicht nur der Kaffee aus Telfs, sondern auch die unterschiedlichsten Teemischungen. Thomas Hofer wirbt in diesem Zusammenhang mit dem Slogan „Wer Tee trinkt, vergisst den Lärm der Zeit“.

Zu den erfolgreichsten neuen Produkten gehören Butter und Graukas von der Mieminger Hochfeldern Alm, Quellfische aus der Teichzuchtanlage in Längenfeld – bevorzugt filetierte Forellen und Saiblinge.

Andreas Grabner – der Bauer am Steirerhof – denkt darüber mitlerweile schon halblaut nach, ob er nicht künftig Feinschmecker-Kochkurse am Hof anbieten sollte? Mit Blick auf die vielen Zutaten für eine naturnahe Bioküche im Hofladele, können wir ihn nur ermuntern, diese Idee umzusetzen. Der „Steirer“ zeigt uns, was alles so in seinen Regalen lagert. Wir schreiben mit: „Eingelegten Knoblauch und Zucchini, Suppenwürze, Knoblauch-Pulver mit Chili, Bio-Senf zum Grill mit den Spezialsorten „Feigensenf“ oder „Senf mit Grappa und Rosinen“.

Auf Nachfrage erfahren wir, wie Steirer’s Hofladele organisatorisch funktioniert und staunen. Einfacher geht nicht. „Wenn Lisbeths Fruchtjoghurt aus ist, schicke ich ihr eine Nachricht über WhatsApp“, erklärt Carolin Grabner. Und dann kommt sie in wenigen Minuten. So wie heute.

„Lisbeth“ ist Elisabeth Sonnweber, vom Bauernhof nebenan. Sie sitzt mit am Tisch und erklärt, wie das bei ihr daheim so läuft. „Irgendwann fragte mein Mann Josef beim Frühstück im Familienkreis, ob ich denn nicht mal Fruchtjoghurt machen könnte? – Wenn Du mich dafür im Stall freistellst und auf den Feldern, kann ich das ja mal versuchen, war meine Antwort.“

Seither gibt es am Bauernhof Sonnweber in Obermieming eine wirtschaftlich funktionierende Arbeitsteilung und einen Fruchtjoghurt von Elisabeth Sonnweber, der weit über die Gemeindegrenzen hinaus beliebt ist.

Der Verkauf funktioniert auf Vertrauensbasis.

Die Bauern verkaufen auf eigene Rechnung und in ihrem Namen.

Die Preise und alle notwendigen Verbraucherinformationen sind angeschlagen. Nach dem Einkauf wird zusammengerechnet und bezahlt. Die Kasse steht am Tisch. Geöffnet hat Steirer’s Hofladele von 7.30 Uhr am Morgen, bis 21.15 Uhr am Abend.

Unter dem Wegweiser, der zu „Steirer’s Hofladele“ führt, hängt eine Holztafel mit dem Hinweis „Am Wochenende frisches Brot und Kuchen“. Darauf angesprochen, höre ich von Carolin Grabner, das sei anfangs nur ein Experiment gewesen. „Wir haben das ausprobiert und inzwischen erwarten unsere Stammkunden, dass es samstags frisches Wurzel- oder Hausbrot gibt, Vinschgerl, Landbrot und Hefezöpfe. Wir backen freitags, samstags und sonntags. Übrigens so wie früher am Holzkohleofen.“

„Gibt es heute keinen Kuchen?“, fragt eine Kundin, von der wir später noch hören, dass sie Haus- und Hoflieferantin für Marmelade vom Steirerhof ist. „Ich muss meiner Mutter (in Innsbruck) immer Erdbeer- und Marillenmarmelade mitbringen. Heute versuche ich es dazu noch mit Carolins neuer Beerenmixmarmelade und dem Löwenzahn-Gelee.“

Ein anderer Kunde notiert auf seinem Zettel, neben der kleinen Handkasse. „Salat, Knoblauch, Eier, Brot, Speck, Hauswürste.“ Und sagt dann, „ich glaube, ich habe dann mal alles“ und verabschiedet sich. Wir tun es ihm gleich. Sagen Carolin und Andreas Grabner „danke, für eure Zeit“ und verlassen das sympathische Hofladele vom Steirerhof.

Obermieminger Bauern Fest – Bauernmarkt und Tag der offenen Stalltür am Steirerhof

Kontakt:
Steirer’s Hofladele
Andreas & Carolin Grabner
Obermieming 127
A-6414 Mieming
Mobil: +43 664 3164968
eMail: info@steirerhof-mieming.at
Web: www.steirerhof-mieming.at

Öffnungszeiten:
Täglich, von 7.30 Uhr – 21.15 Uhr

Quelle: Mieming.online, 31. Juli 2017, von Knut Kuckel

Fotos: Knut Kuckel